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Sendekonzept

Wir kannten es vor ein paar Jahrzehnten nur so:

Es gab eine Handvoll öffentlich-rechtliche Radiosender und einige wenige Fernsehsendungen, wo man sich über Musik informieren konnte. Das Internet war noch in weiter Ferne. Aufgrund dieses Alleinstellungsmerkmals dieser Sender hatten selbige die Aufgabe, möglichst umfassend über das gesamte Angebot an Musik und Informationen zu berichten. Auch musikalische Nischen und Lieder, die (noch) unbekannt waren, und von denen man noch nicht wusste, ob sie ankommen werden oder nicht, waren fester Programmbestandteil.

Zu Beginn der 1990er-Jahre wurden Privatradios weit verbreitet und immer populärer, einige Jahre später etablierte sich das Internet. Die Zahl der Radiosender wuchs schnell. Ausgelöst durch den immer größeren Konkurrenzdruck begannen die Sender, sich zu spezialisieren und jeweils eine bestimmte Zielgruppe zu bedienen. Um die Gefahr zu verhindern, dass dieses Publikum ab- oder umschaltet, senden sie nur noch Musik und Infos, die in der jeweiligen Zielgruppe bereits bewährt sind.

Das hat nicht nur zur Folge, dass die bereits etablierten Hits teils mehrmals täglich in einer Dauerschleife gespielt werden, was auf Dauer einfach nur nervt. Infolge dessen haben unbekannte Musiker und sogar ganze Musikrichtungen, die noch keine Referenzen haben, und deren Erfolg man nun mal nicht vorhersehen kann, keine Chance mehr, gesendet zu werden. Damit verlieren nicht nur interessierte Konsumenten die Möglichkeit, sich im Radio über Neuigkeiten zu informieren. Auch Musiker und Plattenfirmen haben es immer schwerer, ihre Neuerscheinungen bekannt zu machen - das ist für die meisten Musiker und Verlage mittlerweile ein größeres Problem als die Raubkopien.

Ausgelöst durch dieses Dilemma entstand im Jahre 2004 die Idee zu Radio Musik-Train. Wir definieren ganz bewusst keine "Zielgruppe", sondern hier ist schlicht jeder willkommen, der ein abwechslungsreiches Radioprogramm mit vielen musikalischen Überraschungen und Informationen sucht, also einen vielseitigen, offenen und liberaleren Geschmack hat - ganz so, wie das bis in die 1980er-Jahre noch bei fast jedem Radiosender der Fall war.

Radio Musik-Train ist dabei stets "up-to-date" und orientiert sich nicht nur an Klassikern, sondern auch an top-aktuellen musikalischen Trends. Kurz: Radio Musik-Train klingt so, wie öffentlich-rechtliche Radiosender heute klingen würden, hätten sie in den letzten Jahrzehnten keine Programmreform durchgeführt. Musiker, Produzenten und Labels sollten sich nicht scheuen, die Redaktion zu kontaktieren, wenn sie sich wünschen, dass ihre Musik bei uns im Programm läuft. Wir sind stets offen für neue Musik und Informationen!

Allerdings erfordert ein derartiges Programmkonzept auch ein wenig die "Mitarbeit" der Hörer: Sie dürfen sich nicht über ein unkonventionelles Programm echauffieren und daraufhin wegschalten. Sie müssen auszuhalten lernen, dass ein Musiktitel auch mal länger als drei Minuten sein darf, und sich auch mit unkonventionellen Nuancen in der Musikfarbe begnügen und mit Moderatoren, die bei aller Massentauglichkeit noch Persönlichkeit haben.

Dafür braucht man als Hörer allerdings Zeit und Geduld. Wer aber erst einmal auf den Geschmack gekommen ist, wird einen so abwechslungsreichen Sender nicht mehr missen wollen!

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